{"id":2168,"date":"2020-10-29T21:29:43","date_gmt":"2020-10-29T20:29:43","guid":{"rendered":"http:\/\/kantilive.ch\/?p=2168"},"modified":"2021-01-17T19:21:59","modified_gmt":"2021-01-17T18:21:59","slug":"michael-luetolf-die-schule-muesste-einen-groesseren-schritt-richtung-interdisziplinaritaet-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kantilive.ch\/index.php\/2020\/10\/29\/michael-luetolf-die-schule-muesste-einen-groesseren-schritt-richtung-interdisziplinaritaet-machen\/","title":{"rendered":"Michael L\u00fctolf: \u201eDie Schule m\u00fcsste einen gr\u00f6sseren Schritt Richtung Interdisziplinarit\u00e4t machen\u201c"},"content":{"rendered":"\r\n<p>Big News! Endlich haben wir erfahren, wer ab August 2021 unser neuer Rektor sein wird: Michael L\u00fctolf, der bisherige Prorektor der mathematisch- naturwissenschaftlichen Abteilung. Als Nachfolger von Herrn K\u00f6nig, der nach 14-j\u00e4hriger Amtszeit nun seinen Posten abgibt und in den Ruhestand tritt, wird er sein Amt \u00fcbernehmen. Um unseren zuk\u00fcnftigen Schulleiter etwas besser kennenzulernen, haben wir ihm einige Fragen gestellt.<\/p>\r\n<p><em>Interview von Jelena Zuberb\u00fchler, Vera Oberholzer und Mia Widrig<br \/><br \/><\/em><\/p>\r\n<p><strong>Herr L\u00fctolf, auf was freuen Sie sich im Hinblick auf Ihre bevorstehende Zeit als Rektor der Kantonsschule am Burggraben am meisten?<\/strong><\/p>\r\n<p>Am meisten freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Lehrerkolleg*innen, Sch\u00fcler*innen und all jenen, die unsere Schule mitpr\u00e4gen und mitentwickeln.<\/p>\r\n<p><strong>Gibt es auch Dinge, die Sie etwas einsch\u00fcchtern in Bezug auf die neuen Aufgaben, die Ihnen bevorstehen?<\/strong><\/p>\r\n<p>Es ist bestimmt eine Aufgabe, bei der stetig viel Neues dazukommt, wovor ich Respekt habe. Ich werde mich in Themen einarbeiten m\u00fcssen, mit denen ich mich bisher kaum auseinandergesetzt habe. Bisher hatte ich gr\u00f6sstenteils Gespr\u00e4che mit Sch\u00fcler*innen \u00fcber allf\u00e4llige Probleme und Fragen im Schulalltag und nur wenig direkten Kontakt mit Lehrer*innen. Aufgrund dessen wird es f\u00fcr mich eine Herausforderung darstellen, vermehrt auf Fragen von Lehrern einzugehen. Ich bin aber zuversichtlich und habe das Gef\u00fchl, wir sind ein gutes Team, welches miteinander vorankommen kann.<\/p>\r\n<p><strong>Seit wann arbeiten Sie an der Kanti?<\/strong><\/p>\r\n<p>Als Biologielehrer habe ich im Jahr 2006 mit zwei Klassen und einem kleinen Pensum meine Zeit an der Kanti begonnen. Im Jahr darauf wurde ich dann offiziell zum Kantilehrer gew\u00e4hlt und sp\u00e4ter zum Hauptlehrer. Im Jahr 2010 fing ich an, bilingualen Unterricht zu geben und im Prorektorat arbeite ich nun seit Februar 2012.<\/p>\r\n<p><strong>Welche Aufgabe m\u00f6chten Sie als erstes in Angriff nehmen? Welche Ver\u00e4nderungen w\u00fcrden Sie an unserer Schule gerne vornehmen?<\/strong><\/p>\r\n<p>Das ist noch schwierig zu sagen, denn wie gesagt wird Neues wie das Projekt \u201eGymnasium der Zukunft\u201c auf die Schule zukommen. Zuerst werde ich eine \u00dcbersicht erlangen m\u00fcssen, was wann und in welcher Form n\u00f6tig sein wird. Zum Thema \u2018\u00c4ndern\u2019: Ich finde, wir haben eine gute Schule. Aus Sch\u00fclersicht bieten wir meiner Meinung nach eine spannende und grosse Auswahl von Schwerpunkt- und Freif\u00e4chern, bilingualem Unterricht und Austauschprogrammen an. Mein Anliegen ist es, dass wir auch unter allenfalls m\u00f6glichen Sparmassnahmen aufgrund der Auswirkungen der Coronakrise auf die Kantonsfinanzen keine allzu grossen Abstriche machen m\u00fcssen und weiterhin ein attraktives Angebot beibehalten d\u00fcrfen. Grunds\u00e4tzlich denke ich sind wir in einer Situation, in der wir sagen k\u00f6nnen: Never change a winning team! Ich bin gespannt, was kommt, denn es steht mir ein ambitioniertes Programm bevor.<\/p>\r\n<p><strong>Bei der Diskussion \u00fcber die Schulentwicklung unserer Schule vor einigen Wochen kamen viele Anliegen von Seiten der Sch\u00fcler*innen zur Sprache bez\u00fcglich Arbeitsaufwand. Oftmals werden die Klassen regelrecht mit Schulstoff beladen. W\u00fcrden Sie pers\u00f6nlich gerne etwas daran \u00e4ndern?<\/strong><\/p>\r\n<p>Man sollte sich sicher fragen, wie viel man den Sch\u00fcler*innen zumuten darf. F\u00fcr mich ist es wichtig, ihnen nicht nur fachspezifisches Wissen zu vermitteln, sondern das Vernetzen des Erlernten auch zu f\u00f6rdern. Dadurch k\u00f6nnen sie einen Zusammenhang zwischen Gelerntem und aktuellen Ereignissen erkennen. Meiner Meinung nach m\u00fcsste die Schule l\u00e4ngerfristig einen gr\u00f6sseren Schritt in Richtung Interdisziplinarit\u00e4t machen. Mit dem Erg\u00e4nzungsfach \u2018Nachhaltigkeit\u2019 versuchen wir momentan beispielsweise schon, ein Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Es k\u00f6nnen in diesem Bereich aber sicher noch mehr Ans\u00e4tze gemacht werden. Vermehrte Zusammenarbeit unter Lehrer*innen w\u00e4re sicher ebenfalls gewinnbringend. Zudem ist die Bereitschaft der Lehrpersonen sicher auch da, den Unterricht zum \u00dcben des Gelernten zu nutzen, womit nicht alles in die Freizeit verlagert wird. Ein gewisser Teil an Aufgaben wird aber sicher bleiben, um das Ganze zu festigen.<\/p>\r\n<p><strong>Auf was k\u00f6nnen wir Sch\u00fcler*innen uns besonders freuen?<\/strong><\/p>\r\n<p>(lachend) Sicherlich auf eine gute Zusammenarbeit, ein offenes Ohr und einen \u2018Goodwill\u2019, der euch auf eurem Weg zur Matura unterst\u00fctzen wird. Ich denke, somit werdet ihr eine gute Zeit am Gymnasium haben.<\/p>\r\n<p><strong>Versp\u00fcren Sie teilweise einen Druck, gerade in Zeiten der Corona-Pandemie mit Ihrer neuen Aufgabe zu starten?<\/strong><\/p>\r\n<p>Im Moment ist es nat\u00fcrlich eine schwierige Situation f\u00fcr die ganze Gesellschaft. Es ist f\u00fcr alle etwas Neues und wir m\u00fcssen lernen, damit umzugehen. Ich nehme an, die Situation wird sich bis im August etwas abschw\u00e4chen. Klar ist, dass man schrittweise vorgehen muss. Wir haben zwar Konzepte und Vorstellungen, aber noch wenig Erfahrung \u00fcber den Verlauf einer Pandemie. Man kann nur zur spanischen Grippe zur\u00fcckschauen, bei welcher es mehr als zwei Jahre dauerte bis man eine Immunit\u00e4t in der Bev\u00f6lkerung aufgebaut hatte. Wahrscheinlich m\u00fcssen wir mit einem \u00e4hnlichen Szenario rechnen.<\/p>\r\n<p><strong>H\u00e4tten Sie sich vorstellen k\u00f6nnen, dass Sie einmal Rektor sein werden, als Sie mit der Arbeit an der Kanti begonnen haben?<\/strong><\/p>\r\n<p>Damit hatte ich anfangs nicht gerechnet, als ich mit vielen neuen Aufgaben konfrontiert wurde. Besonders am Anfang war es f\u00fcr mich eine Herausforderung, Verantwortung f\u00fcr eine Klasse zu haben und diese bis zur Matura zu begleiten. Ich denke, das Engagement in den ersten vier Jahren ist bei vielen Lehrern sehr hoch. Zu diesem Zeitpunkt denkt man noch nicht an das, was sp\u00e4ter sein k\u00f6nnte. Dass ich jetzt Rektor bin, hat viel mit pers\u00f6nlicher Reife zu tun. F\u00fcr mich ist es wichtig zu wissen, dass ich ein Kollegium als R\u00fcckhalt habe, welches Vertrauen in mich hat und zuversichtlich mit mir in die Zukunft schaut. Dies war ausschlaggebend f\u00fcr meinen Entscheid, mich dieser Aufgabe hinzugeben.<\/p>\r\n<p><strong>Jetzt haben wir viel \u00fcber Ihr Berufsleben erfahren und m\u00f6chten gerne noch mehr \u00fcber Sie als Person wissen. Was machen Sie in Ihrer Freizeit als Ausgleich zum Alltag an der Schule?<\/strong><\/p>\r\n<p>Als Biologe bin ich interessiert an der Natur und betreibe gerne Aktivit\u00e4ten wie Wandern, Spazieren und Velo fahren. Des Weiteren gehe ich seit 20 Jahren regelm\u00e4ssig nach B\u00fclach zum japanischen Bogenschiessen, das sich Ky\u016bd\u014d nennt. B\u00fclach ist in der N\u00e4he der einzige Ort, an dem man diesen Sport aus\u00fcben kann. F\u00fcr mich ist es eine sch\u00f6ne Art herunterzufahren und den Alltag ein wenig zu vergessen.<\/p>\r\n<p><strong>Was war Ihr bestes Erlebnis hier an der Kantonsschule am Burggraben?<\/strong><\/p>\r\n<p>Das beste Erlebnis, das ich hier an der Kanti hatte, war das Fr\u00fchlingsfest. Am Fr\u00fchlingsfest hatten Kollege Strasser und ich einen Auftritt mit der Lehrerband. Wir haben uns geschminkt und singend auf der B\u00fchne performt, was super cool war. Davon redet man noch heute. Wer weiss, vielleicht gibt es auch einmal ein Revival.<\/p>\r\n<p><strong>Sind Sie auch hier an der Kanti zur Schule gegangen?<\/strong><\/p>\r\n<p>Nein, ich bin im Bernbiet aufgewachsen, in Steffisburg und Thun. Dort bin ich dann auch in die Schule und habe eine Lehre als Hochbauzeichner absolviert. Im Anschluss an die Berufsmittelschule bin ich ans Gymnasium gegangen. Damals gab es n\u00e4mlich noch keine Passerelle wie heute. Danach habe ich von 1995 bis 2000 in Bern Biologie studiert. In Z\u00fcrich habe ich die Doktorarbeit und das Lehramt gemacht und bin nachher nach St.Gallen gekommen. Aber was es da noch zu sagen gibt: Meine Grosseltern sind aus Rotmonten. So kam es, dass der Peter und Paul schon als Kind an Sonntagen f\u00fcr uns zum Ausflugsziel wurde. Mein Vater ist fr\u00fch schon nach Bern, hat dort gearbeitet und eine Familie gegr\u00fcndet. Darum sind wir von Bern.<\/p>\r\n<p><strong>Ist es f\u00fcr Sie speziell jetzt hier in der Ostschweiz so ein wichtiges Amt zu \u00fcbernehmen?<\/strong><\/p>\r\n<p>F\u00fcr mich ist das nicht unbedingt etwas Spezielles. Ich denke, jede Region hat ihren Charme. Es ist nat\u00fcrlich klar, dass man sich mit der Region identifiziert; die einen mehr als die anderen. Mir gef\u00e4llt es hier und ich f\u00fchle mich hier nicht fremd. Ich glaube, ich bin ein ziemlich offener Geist und habe keine Vorurteile wie \u201chinger Winterthur h\u00f6rt d Schwiiz uf, und n\u00e4r isch no so chli unbekannts Land\u201d. Ich kenne viele Teile der Schweiz, da ich viel unterwegs bin. Die Ostschweiz ist einfach ein Teil, in dem ich seit l\u00e4ngerem bin und der mir sehr gut gef\u00e4llt.<\/p>\r\n<p><strong>Gibt es noch etwas, was Sie uns Sch\u00fcler*innen mitgeben wollen?<\/strong><\/p>\r\n<p>Seid neugierig und interessiert euch f\u00fcr alles, was ihr hier lernen k\u00f6nnt. Es ist eure grosse Chance, hier etwas f\u00fcr euer Leben mitzunehmen. So wie ich es erlebt habe, weiss man zu dieser Zeit des Lebens am meisten. Man hat Zugang zu Wissen in verschiedensten Gebieten; von bildender Kunst, \u00fcber Fremdsprachen, Mathematik, Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften. Wenn man sp\u00e4ter an die Uni geht, beginnt man sich zu spezialisieren\u00a0und gewisse Dinge bleiben einem nicht im Kopf. Meiner Meinung nach ist es eine einmalige Gelegenheit, so einen grossen Fundus von Sachen und Zusammenh\u00e4ngen zusehen. Nutzt diese Zeit \u2013 diese vier tollen Jahre sind auch vier kurze Jahre!<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><em>Bild: https:\/\/www.sg.ch\/news\/sgch_allgemein\/2020\/10\/michael-luetolf-neuer-ksbg-rektor.html<\/em><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Big News! Endlich haben wir erfahren, wer ab August 2021 unser neuer Rektor sein wird: Michael L\u00fctolf, der bisherige Prorektor der mathematisch- naturwissenschaftlichen Abteilung. 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