{"id":5208,"date":"2025-02-02T00:12:26","date_gmt":"2025-02-01T23:12:26","guid":{"rendered":"https:\/\/kantilive.ch\/?p=5208"},"modified":"2025-02-02T00:16:11","modified_gmt":"2025-02-01T23:16:11","slug":"mein-zweiter-versuch-an-der-philosophieolympiade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kantilive.ch\/index.php\/2025\/02\/02\/mein-zweiter-versuch-an-der-philosophieolympiade\/","title":{"rendered":"Mein zweiter Versuch an der Philosophieolympiade"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/kantilive.ch\/index.php\/2024\/01\/29\/was-macht-man-beim-halbfinale-der-philosophieolympiade\/\">Ich habe letztes Jahr versucht, in das Finale der Schweizer Philosophieolympiade einzuziehen<\/a>. Es hat leider nicht funktioniert, darum versuchte ich es jetzt noch einmal.<\/p>\n<p>Meine Chancen standen besser als das letzte Jahr, da ich ein Heimspiel hatte. Statt wie letztes Jahr um 5 Uhr aufstehen zu m\u00fcssen, um p\u00fcnktlich in Fribourg zu erscheinen, musste ich nun erst um 10 Uhr an der KSBG auftauchen. Leider ging dieser Vorteil verloren, da ich bereits um 2 Uhr morgens erwachte und mein Geist bis 8 Uhr in einem Zustand unruhiger M\u00fcdigkeit vor sich hind\u00fcmpelte.<\/p>\n<p>Es war sch\u00f6n, alte Bekannte zu sehen. Einer, den ich das letzte Mal in Fribourg getroffen hatte, tauchte wieder auf, obwohl er schon damals den Bronzepreis im Finale gewonnen hatte. Die Existenz solcher Menschen ist ein Hindernis f\u00fcr das menschliche Gl\u00fcck, vor allem von meinem, und verdirbt die Erfolgschancen der anderen, vor allem meine.<\/p>\n<p>Die Aufs\u00e4tze sollten mit dem Safe-Exam-Browser geschrieben werden, was aus meiner Sicht eine grosse Beschr\u00e4nkung der menschlichen Kreativit\u00e4t war, da zwei wesentliche Funktionen verhindert wurden: Copy-Paste und die Rechtschreibkorrektur. Es war dann ein wunderbarer Gl\u00fccksfall, als ich erfuhr, dass es Probleme mit der App gab, die das Schreiben unseres Aufsatzes verhinderten, und zu der Entscheidung f\u00fchrten, dass wir die Aufs\u00e4tze doch noch mit Word schreiben durften.<\/p>\n<p>Zum Schreiben des Aufsatzes hatten wir zwei Stunden Zeit. 120 Minuten sind zwar eine lange Zeit, aber f\u00fcr das Schreiben eines Philosophieaufsatzes \u2013 ein intensiver Gehirnsport! \u2013 sind die 7200 Sekunden doch eine sehr enge Grenze. Sobald die Zeit um war, mussten wir mit dem Schreiben aufh\u00f6ren, egal ob man den Satz nun fertiggeschrieben hatte oder nicht. Wenn meine Klasse eine solche kurze und strenge Zeitbeschr\u00e4nkung bei einer Geschichtspr\u00fcfung h\u00e4tte, w\u00e4re der Schnitt bestimmt eine Drei.<\/p>\n<p>Das Schreiben meines Aufsatzes war der bis anhin schrecklichste Moment meines Lebens. Obwohl viele Gedanken in meinem Gehirn aufploppten, viele davon brillant und kreativ, gelang es mir nicht, eine vollst\u00e4ndig in sich koh\u00e4rente Idee auf den Bildschirm zu bringen. Ich bemerkte, dass nicht nur der Zusammenhang zwischen den einzelnen Abs\u00e4tzen vollst\u00e4ndig fehlte, auch die Inhalte meiner Argumente waren voneinander unabh\u00e4ngig und jeder Absatz k\u00e4mpfte erfolglos f\u00fcr sich selbst. Je mehr ich schrieb, desto mehr verlor ich den \u00dcberblick und desto tiefer sank ich in ein unsichtbares Netz aus Irrungen und Wirrungen. Ausserdem tickte unerbittlich die Uhr und mit jeder Ank\u00fcndigung der verbleibenden Zeit wurde die unsichtbare Schlinge um meinen Hals enger. Als man nur noch 5 Minuten zur Verf\u00fcgung, f\u00fchlte ich mich so machtlos wie noch nie in meinem Leben. Ich hatte etwas Ungeheuerliches erschaffen: einen Aufsatz ohne Einleitung, einen inkoh\u00e4renten Hauptteil und ein in sich widerspr\u00fcchliches Ende. Meine Hoffnung lag nur noch in der Gnade der unnahbaren \u00dcbermacht, die meinen Aufsatz korrigieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Als die Glocke klingelte und dadurch das Ende des Wettbewerbs signalisierte, wusste ich sofort, dass alles verloren war. Ich hatte meine letzte Chance f\u00fcr einen Einzug ins Finale eines internationalen Wettbewerbs vertan. Mein Nacken tat weh, mein R\u00fccken schmerzte, mir war schwindlig, meine Zukunft war d\u00fcster.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe letztes Jahr versucht, in das Finale der Schweizer Philosophieolympiade einzuziehen. Es hat leider nicht funktioniert, darum versuchte ich es jetzt noch einmal. 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