Der sommerliche Weihnachtssternenhimmel des Maturaball

(Bild: www.holzrichter.berlin)

Mit dem Motto “sous le ciel étoilé” werden am Maturaball die St. Galler Weihnachtssterne im “Einstein” hängen. Wir haben mit Martin Schmid, dem Erfinder des “Allersterns” gesprochen.

Gibt es jemanden, der sie nicht kennt? Jemand, der in der Weihnachtszeit täglich unter ihnen hindurchgeht, ohne auf sie zu achten? Wohl kaum. Denn man müsste schon ein gewaltiges Brett vor dem Kopf haben, um behaupten zu können, die Sterne in der St. Galler Innenstadt noch nie gesehen zu haben. Seit neun Jahren beleuchten die rund 700 Exemplare des “(Sankt G-)Allersterns” bereits die Stadt. Das einheitliche Beleuchtungskonzept hat St. Gallen über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht als die “Sternenstadt”.

Sous le ciel étoilé. So lautet das Motto des diesjährigen Maturaballs. Aus diesem Anlass hatten Mitglieder des Organisationskomitees die Idee, einige von den bekanntesten Sternen der Stadt ins Hotel Einstein zu holen. Die Stadtverwaltung wurde also angefragt, und nach einigen Gesprächen erklärte sich die Verwaltung einverstanden, der Kanti an diesem Abend drei Exemplare des Allerstern auszuleihen.

Der Kopf hinter den Sternen ist Martin Schmid. Der Vierzigjährige mit Wohnsitz in Berlin und St. Gallen unterrichtet hier die Grafikklasse der GBS St. Gallen und ist Geschäftsführer des Designbüros Kaluza+Schmid, mit dem er damals die Sterne entworfen und realisiert hat. Begonnen hat es damit, dass Schmid im Rahmen seiner Diplomarbeit für sein Studium des Industriedesigns sich mit dem Thema Weihnachtsbeleuchtung und Weihnachtstradition auseinandergesetzt hat.

Er fragte die Verwaltung der Stadt St. Gallen an, wie gross der jährliche Strombedarf für die Weihnachtsbeleuchtung sei. So erfuhr er, dass eine neue Weihnachtsbeleuchtung geplant war. Die Stadt wies seine Anfrage, ein eigenes Konzept vorzulegen, zuerst ab, da das Einreichedatum bereits vorüber war. Zudem war man in St. Gallen gegenüber interaktiven Lichtinstallationen, wie sie Martin Schmid geplant hatte, ziemlich skeptisch, weil kurz zuvor in Zürich ein derartiges Projekt realisiert, jedoch von der Bevölkerung grösstenteils abgelehnt wurde. Dass Kaluza+Schmid ein noch ziemlich junges Unternehmen war, unterstützte das Vertrauen auch nicht gerade. Schmid entwarf dann trotzdem ein gesamtstädtisches Beleuchtungskonzept, welches angenommen wurde. “Die Beleuchtung sollte innovativ und modern, aber auch besinnlich und warm sein”, meint Martin Schmid.

Seine Idee gewann dann schliesslich auch den Wettbewerb. Daraus resultierend startete eine sehr intensive Zeit der konkreten Planung. Die Realisierung musste zügig umgesetzt werden; 15 Leute waren direkt in das Projekt involviert. Im Prozess kamen einige logistische Probleme auf, wie etwa die Besorgung der LED-Leuchtröhren, für die jedoch eine rechtzeitige Lösung gefunden wurde. Letztendlich war das Projekt in 9 Monaten umsetzbereit. Und es hat sich gelohnt. Heute sind die Sterne aus dem Stadtbild kaum mehr wegzudenken. In den Sternen stecken allerlei versteckte Botschaften und Besonderheiten: Jedes Exemplar lässt sich einzeln bedienen, was eine spannende und dynamische Lichtstimmung schafft. Jeder der 14 Strahlen steht für eines der 14 Stadtgebiete. Bis heute zieht der Allerstern jedes Jahr in der Weihnachtszeit reichlich Menschen nach St. Gallen. Was Martin Schmid heute anders machen würde? “Weniger Kompromisse eingehen und seine Vision auch mitsamt den kleineren Details durchsetzen.”