Between Skyscrapers: Ein Blick auf Metropolen der Welt – Tokio

In dieser Beitragsserie schreiten wir auf eine Odyssee durch die urbanen Schatztruhen der Welt: quer durch die Weltkarte reisen wir nach pulsierenden Metropolen, reich an Kultur, Geschichte und am wichtigsten: Kulinarik. Also schnappt euer Gepäck und steigt in den Kanti-Live-Jet ein, denn heute geht es ab nach Tokio: Neonlichtparadies, bevölkerungsreichste Metropolregion der Welt, Epizentrum der Anime-Kultur und Hauptstadt Japans.

Steckbrief

  • Staat: Japan
  • Fläche: 628 km² (Metropolregion: 13572 km²)
  • Einwohner: 9,64 Millionen (Metropolregion: 39,105 Millionen)
  • Gründungsdatum: September 1868

 

 

Sprache

Linguisten sind sich unsicher, wer wem die Hausaufgaben abgeschrieben hat: Japanisch von Koreanisch, oder doch umgekehrt!? Wer nun der Nachmacher ist, bleibt umstritten. Obwohl man Ähnlichkeiten in der Grammatik, sowie den Lehnwörtern der beiden Sprachen findet, werden sie als eigene, isolierte Sprachfamilien betrachtet, die sich ohne Abgucken weiterentwickelt haben.

Bei den Dialekten der japanischen Sprachfamilie (Japanisch-Ryukyu) wird hauptsächlich zwischen den östlichen Dialekten des Tokio-Typs und den westlichen Dialekten des Kyoto-Osaka-Typs unterschieden. Genauso wie wir St. Galler verblüfft sind, wenn die Walliser zu reden beginnen, kann es Tokiotern schwerfallen den Tsugaru-Dialekt der japanischen Walliser im Norden zu entziffern. In Tokio spricht man überraschenderweise den Tokio-Dialekt, welcher die Basis für die japanische Hochsprache bildet, die im ganzen Land verbreitet ist

Wenn du nach Tokio reist, hat es leider keine deutschen Untertitel wie beim Anime-Schauen. Doch keine Sorge, denn hier ist eine Liste von japanischen Grundvokabeln, mit welchen du nun voller Stolz deine Freunde begrüssen kannst:

(Kleiner Tipp: auf Japanisch ist das «u» am Ende eines Wortes stumm!)

Guten Morgen – Ohayo gozaimasu (おはようございま)

Guten Tag – Konnichiwa (こんにちは)

Guten Abend – Konbawa (こんばんはす)

Auf Wiedersehen – Sayonara (さようなら)

Guten Appetit – Itadakimasu (いただきます)

Danke – Arigato (ありがとう)

Bitte – Dozo (どうぞ)

Ja – Hai (はい)

Nein – Iie (いいえ)

 

Geschichte

Ein adeliger Landesherr errichtete in einem kleinen, unbedeutsamen Fischerdorf namens Edo im 16. Jahrhundert die Burg Edo. Tokugawa Ieyasu, ein bedeutender japanischer Feudalherr (Daimyō), nahm die Burg in seinen Besitz. Dieser Mann verwandelte das unscheinbare Hafenstädtchen in das politische und kulturelle Zentrum Japans, indem er hier die Edo-Zeit begründete, sein neues Hauptquartier errichtete und seine Macht als Oberbefehlshaber der Samurai (Shogun) nutzte, um das neue Machtzentrum auszubauen.

Trotz eines verheerenden Brandes war Edo um 1700 die grösste Stadt Japans, welche von rund eine Millionen Bewohnern besiedelt war und sich rasch zu einer aufblühenden Grossstadt entwickelte. 1868 wurde der Sitz des Staatsoberhaupts von der damaligen Hauptstadt Kyoto nach Edo verlegt: die Burg wurde zum Kaiserpalast und das ehemalige Fischerdorf bekam seinen neuen Namen Tokio.

Im Laufe der Geschichte kroch Tokio vermehrt aus Brandasche, Erdbebenschutt und Kriegstrümmern hervor, nur um sich standhafter und moderner als zuvor wiederaufzubauen. Dennoch wurden zahlreiche Menschenleben und historische Kulturschätze Opfer der Katastrophen, die über Tokio stürzten.

 

Speisekarte

Nach dieser Geschichtslektion brauch ich etwas Aufmunterndes! Was gibt’s da Besseres als eine warme Schale köstlicher Ramen

…in einem der 226 Michelin-Sternerestaurants, die in Tokio zu finden sind.  Denn in Tokio gibt es mehr Michelin-Sternrestaurants als in jeder anderen Stadt der Welt (Die ganze USA hat im Vergleich nur 200 Michelin-Sternrestaurants).

«Aber ich bin ein/e Kantischüler/in, die/der immer pleite ist! Wie soll ich mir ein Gericht in einem Sterne-Restaurant leisten?» Keine Sorge, denn in der anerkannten Ramen Bar «Nakiryu», welche einen Michelin-Stern erhalten hat, kannst du eine Portion der japanischen Nudelsuppe für unter 10 CHF (1700 Yen) geniessen.

Chanko-Nabe ist ein beliebtes Powerfood bei den Sumo-Ringern, da es grosse Mengen an Proteinquellen und Kalorien enthält.

Der Eintopf mit Geflügel, Meeresfrüchten, Gemüse und Nudeln hat seinen Ursprung in Tokio, nämlich im Viertel Ryogoku, denn hier befinden sich die meisten Sumo-Trainings-Ställe. In Ryogoku wurde 1937 auch das erste Chanko-Nabe-Restaurant gegründet.

Nachdem die Karriere eines Sumo-Ringers vorbei ist, ist es möglich, dass er ein solches Restaurant eröffnet, denn noch heute sind viele Besitzer der Chanko-Nabe-Restaurants ehemalige Sumo-Ringer.

Der kulinarische Klassiker aus Tokio Fukagawa-Meshi, galt früher im östlichen Stadtteil Fukagawa, woher es seinen Ursprung hat, als eine Art Fast-Food für Fischer, da es schnell zubereitet ist und man es sowohl an Bord als auch am Hafen rasch essen konnte. Heute gilt das Reisgericht als eine der fünf beliebtesten Reisgerichte Japans.

Fukagawa-Meshi besteht aus Reis, Muscheln und in Miso gekochten japanischen Langzwiebeln. Es gibt zwei Arten der Zubereitung: Die «Bukkake»-Art, bei der die gekochten Muscheln dem Reis hinzugefügt werden, und die «Takikomi»-Art, bei der der Reis zusammen mit den Muscheln gekocht wird.

 

3 spannende Fakten über Tokio

1. Sicherste Stadt der Welt

Bei einer so dicht besiedelten Stadt wie Tokio würde man pures Chaos erwarten, doch Tokio ist tatsächlich eine der sichersten Städte der Welt. Eine Studie (2019) von «The Economist» bewertete 60 Städte in 57 Kategorien, wobei Tokio die höchste Gesamtpunktzahl erhielt. Klar ist, dass der Rest der Welt einiges von der japanischen Megacity lernen kann.

2. Shibuya Kreuzung

Die berühmte Kreuzung südwestlich im Zentrum von Tokio wird alle zwei Minuten geschätzt von 2 000 Personen überquert. Täglich sind das fast ein Drittel der ganzen Schweizer Bevölkerung.

3. ein Automat pro 23 Einwohner

In ganz Japan gibt es rund 5,5 Millionen Automaten (wobei auf 23 Einwohner umgerechnet etwa ein Automat fällt), die allesausspucken, das du dir nur vorstellen kannst: Softgetränke, Gemüse, Zeitungen, Glücksbringer und noch vieles mehr. Wer braucht schon Migros, wenn man einige Tasten drücken kann, um seine tägliche Portion Obst aus einer Maschine zu fischen?

 

Touristenreise

Nun begeben wir uns auf eine kurze Reise zu den beliebtesten Touristenattraktionen in Tokio.

Tokyo Tower

Nach den Luftangriffen der USA auf Tokio im zweiten Weltkrieg, wurde der Tokyo Tower 1958 erbaut, um als Symbol der Wiedergeburt der Stadt zu dienen. Der rote Turm ist 9 Meter höher als sein Vorbild, der Eiffelturm. Die Franzosen sollten sich besser in Acht nehmen, denn wer weiss, vielleicht übertreffen die Japaner sie ja auch noch im Baguette- und Pain-au-Chocolat-Machen!

 

Fuji

Mit seinen 3776m gilt der heilige Berg Fuji als der höchste Berg Japans. Durch seinen schneebedeckten Gipfel und seine perfekte Symmetrie wird er als Symbol natürlicher Schönheit angesehen, welche japanische Künstler der Geschichte inspirierte, wie Hokusai, der zahlreiche eindrucksvolle Holzschnitte mit Abbildungen des Fuji-san erschuf.

 

Sensoji Tempel

Sensoji ist ein buddhistischer Tempel, der im Viertel von Asakusa liegt. Eine Legende besagt, dass im Jahre 628 zwei Brüder eine Statue der japanischen Göttin Kannon, die Göttin der Barmherzigkeit und des Mitgefühls, aus dem Sumida-Fluss gefischt haben. Sie legten die Statue zurück in den Fluss, doch sie kehrte immer wieder zu ihnen zurück. Der Tempel wurde in der Nähe des Sumida-Flusses gebaut und wurde Kannon gewidmet. Der Bau des Tempels endete im Jahr 645, was ihn zum ältesten Tempel Tokyos macht.

 

Die Flamme des kleinen Fischerdörfchens Edo ist zu einem Feuerwerk namens Tokio entzündet. Inmitten der futuristischen Technologien und Neonlichter, findet man die ewige Flamme der Tradition brennen, welche diese Metropole so besonders macht. Genauso anlockend ist Tokios Maximalismus, der keine Subkultur zu obskur, kein Outfit zu avantgardistisch und keine Essenskombination zu gewagt scheinen lässt. Hoffentlich konnten wir einen Funken von Begeisterung für die japanische Megacity in dir wecken, sodass du von preisgekrönter Nudelsuppe und Kirschblüten vor Wolkenkratzern träumst, währenddem du dir dieses japanische Jazz-Lied anhörst.

 

Recherchequellen:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Internationales/Thema/bevoelkerung-arbeit-soziales/bevoelkerung/Stadtbevoelkerung.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Tokio

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_Metropolregionen_der_Welt

https://de.wikipedia.org/wiki/Japanisch-Ry%C5%ABky%C5%AB

https://www.japanwelt.de/blog/japanischer-wortschatz-reise-und-urlaub

https://www.goruma.de/staedte/tokyo/stadtgeschichte

https://www.gotokyo.org/de/story/guide/michelin-star-restaurants/index.html

https://ourtastytravels.com/blog/nakiryu-ramen-michelin-star-restaurants-tokyo-japan/

https://www.urlaubsguru.de/reisemagazin/kulinarisches-tokio/

https://home.binwise.com/blog/top-25-michelin-restaurants-us

https://www.japanwelt.de/blog/tokio-essen-lokale-spezialitaeten

https://www.foodinjapan.org/kanto/tokyo/fukagawa-meshi/

https://www.de.emb-japan.go.jp/NaJ/NaJ1409/jido.html

https://japanliebe.de/alltaegliches/japanische-getraenkeautomaten-5-fun-facts/

https://www.japan.travel/de/spot/2177/

https://www.gotokyo.org/de/destinations/southern-tokyo/tokyo-tower-and-around/index.html

https://www.japan-guide.com/e/e3001.html

https://www.japanwelt.de/blog/kami-die-zwoelf-wichtigsten-japanischen-goetter-und-goettinnen

Bildquellen:

https://i.pinimg.com/564x/7f/2d/96/7f2d96104ffadeaaef28267d686d0459.jpg

https://i.pinimg.com/564x/05/45/80/05458036394edf41c89fafdb83a9a1f9.jpg

https://i.imgur.com/VvSHd1X.jpg

https://s3-ap-northeast-1.amazonaws.com/thegate/2019/10/11/17/54/40/Fukagawa-meshi-Takikomi.jpg)

https://i.pinimg.com/564x/0f/7c/4c/0f7c4c6ff0c1a8de0319077ff1f2d01d.jpg

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/01/Tokyo_in_Japan.svg/1200px-Tokyo_in_Japan.svg.png

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https://images.metmuseum.org/CRDImages/as/original/DP141029.jpg

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